Ein hoher Anteil an Wolf-Hund Hybriden in der italienischen Wolfspopulation
Die Wolf-Hund-Hybridisierung ist eine Form der anthropogenen Hybridisierung die seit der Domestizierung des Wolfs gelegentlich vorgekommen ist. In jüngerer Zeit jedoch könnte die hohe Zahl domestizierter Hunde in Verbindung mit marginalen ökologischen Bedingungen für die Wölfe ein erhöhtes Risiko für die genetische Integrität der Wolfspopulationen in Europa darstellen. Besonders in Ländern in denen es freilebende Hunde gibt, insbesondere den Mittelmeerländern, gilt die Wolf-Hund-Hybridisierung derzeit als eine der größten Bedrohungen für die europäischen Wölfe.
Auf der Grundlage von DNA aus Geweben von 748 Wölfen, die zwischen 2020 und 2024 tot aufgefunden wurden, sowie 26 zusätzlichen Proben aus den Jahren 1993 bis 2003 haben Rita Lorenzini und KoautorInnen die Wolf-Hund-Hybridisierung in der Wolfspopulation der italienischen Halbinsel untersucht. Für diese Analyse wurden hauptsächlich sogenannte STR untersucht. Dabei wird die Anzahl an short tandem repeats (STR) auf mehreren Chromosomen bestimmt. STR sind sogenannte Mikrosatelliten mit einer Länge zwischen zwei und dreizehn Nukleotiden, die im Genom hundertfach in Serie auf jedem Chromosom vorkommen. Sind STR zwischen Hunden und Wölfen gleich, kann daraus auf Hybridisierung geschlossen werden. Je mehr STR zwischen Hunden und Wölfen gleich sind, desto jünger ist das Hybridisierungsereignis. Unter Verwendung von 23 autosomalen STR-Loci und 5 Y-chromosomalen Loci für Männchen haben die AutorInnen einen hohen Anteil (46,7 %) von Wölfen festgestellt, die mit Hunden gekreuzt sind, davon 29,5 % neuere Hybriden und 17,2 % ältere Rückkreuzungsgenerationen.
Während die meisten ursprünglichen Hybridisierungsereignisse wahrscheinlich vor etwa 9 bis 16 Jahren stattfanden, deuten einige wenige Hybriden der ersten Generation in den verwendeten Stichproben darauf hin, dass die Wolf-Hund-Hybridisierung derzeit noch andauert. Dies bedroht nicht nur die genetische Integrität der italienischen Wolfspopulation, sondern durch Ausbreitungsereignisse auch die der benachbarten Wolfspopulationen. Die von den Autorinnen dargestellte Situation dient als warnendes Beispiel für die potenzielle Dynamik von Wolf-Hund-Hybridisierung in vom Menschen dominierten Landschaften, sollte das Problem weiterhin ungelöst bleiben. Sie unterstreicht auch, wie wichtig es ist, die genetische Zusammensetzung von Wolfspopulationen bei der Bewertung ihres Erhaltungszustands zu berücksichtigen, insbesondere angesichts der jüngsten Herabstufung ihres Schutzstatus in ganz Europa.
Quelle: Lorenzini, Rita, et al. "Genetic evidence reveals extensive wolf-dog hybridisation in peninsular Italy: warnings against ineffective management." Biological Conservation 313 (2026): 111615.